Die Linde, der Baum der |
| Kein Geringerer als Martin Luther sagte über die Linde: "Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fröhlich zu sein, denn die Linde ist uns ein Friede- und Freudebaum!" Und die Autorin Doris Laudert beschreibt die Linde so: "Sie verbreitet innige Mütterlichkeit und während der Blütezeit wirkt der Baum wie eine einzige Umarmung von Bienen und Blüten. Blühende Linden rufen Empfindungen wach, die schwer in Worte zu fassen sind und am ehesten noch mit Begriffen wie Heimat, Wärme und Geborgenheit umschrieben werden können." |
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Kein Wunder, dass die alten Dorflinden gehegt und gepflegt werden wie diese über 600 Jahre alte Linde im Dorf Naters in der Schweiz (links der Baum im Winter) oder diese über 500 Jahre alte Linde in Uedding, einem Ortsteil von Mönchengladbach (rechts, Foto Daniel Schumacher). Wilhelm Müller, der romantische deutsche Dichter, schrieb das Gedicht "Der Lindenbaum". Vertont von Franz Schubert, wurde es zu dem weltweit wahrscheinlich bekanntesten Volkslied deutscher Sprache.
Auch die moderne Dichtung beschäftigte sich mit der Linde; Ina Seidel schrieb dem Baum eine Trostfunktion zu. Vielseitig ist die Linde - ihr Blatt ist herzförmig. Also ist die Linde auch der Baum der Liebenden, den die Germanen der Fruchtbarkeitsgöttin Frigga widmeten. Das "Judicum sub tilia", das Gericht unter der Linde, ist in vielen alten Urkunden nachgewiesen. Die Germanen hielten ihr "Thing" meist unter Linden ab. Aus den Blüten der Linde wird ein Tee gewonnen, der schweiß- und harntreibend sowie schleimlösend wirkt. Lindenkohle verordnete man im Mittelalter gegen Durchfall sowie Vergiftungen und das Pulver streute man auf eitrige Wunden. Bis heute gilt Lindenblütenhonig als besonders edler Honig von feinem Duft und feiner Konsistenz. Obwohl Linden bis 1000 Jahre alt werden, ist ihr Holz eher weich und deshalb gut zu schnitzen. Die großen abendländischen Meister der Holzbildkunst schnitzten ihre Meisterwerke in Lindenholz wie Veit Stoß oder Tilman Riemenschneider. Aber auch moderne Bildhauer wie Ernst Barlach formten ihre Figuren aus Lindenholz. Ohne Linden, ohne ihr dichtes Blätterdach und ihren süßen Duft wären wir alle ärmer. Und ohne Lindenwirtinnen und Lindenwirte erst recht. |