Heiter bis besinnlich: Linde und |
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Die Minnesänger des frühen Mittelalters verführten nicht nur die Burgfräulein (und deren Mütter) mit schmeichelnden Worten und Weisen - nein, sie führten auch die Liebeslyrik in die deutsche Sprache ein. Walther von der Vogelweide, dem wohl populärsten Minnesänger, verdanken wir das ebenso schelmische wie betörende Gedicht über das, was sich "Under der linden, auf der heide" ereignet hat. Solche Weisen gingen von Mund zu Mund und von Burg zu Burg, sie waren Vorläufer des Volkslieds.
Wie entsteht ein Volkslied? Ein Dichter, manchmal auch nur ein Amateurdichter, fügt Zeilen zusammen, ein Komponist vertont die Zeilen. Und dann kann es passieren, dass sich ein solches Lied weltweit verbreitet und (wie man heute sagen würde) ein Evergreen wird. Zu diesen Evergreens gehören "Der Lindenbaum" ebenso wie "Kein schöner Land" oder "Hoch auf dem gelben Wagen", in denen - man lese bitte den Text nach - Linden eine Rolle spielen.
"Der Lindenbaum", besser bekannt unter seiner ersten Zeile "Am Brunnen vor dem Tore", wurde von Wilhelm Müller gedichtet, einem der ganz Großen der Romantik, wenn ihn auch die Literaturwissenschaft bis heute übersieht. Seine beiden Gedichtzyklen "Die schöne Müllerin" und "Die Winterreise" wurden von Franz Schubert vertont. Der geniale Schubert verstand es wie kein zweiter, Gefühle in Noten umzusetzen. Der Legende nach sollen ihn Brunnen und Linde einer Mühlen-Gastwirtschaft bei Wien inspiriert haben, die unvergeßliche Weise vom Lindenbaum auf Notenpapier zu schreiben.
Für den großen griechischen Komponisten Mikis Theodorakis jedenfalls ist "Der Lindenbaum" das schönste deutschsprachige Volkslied. Seine Landsfrau Nana Mouskouri hat dieses Lied ebenso auf Tonträger gesungen, wie fast der halbe Weltadel unter den Opernsängerinnen und -sängern. Und natürlich ist dieses Lied in dutzende Sprachen übersetzt worden. Man kann es auf Japanisch ebenso singen wie auf Finnisch oder Englisch: |
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"Outsite the gate's a fountain And an old Lindentree, Under its shady branches My dreams were sweet and free..." |
Der "kleine Wagner", nämlich Siegfried, der Sohn des großen Richard, versuchte sich an einer Oper namens "Die heilige Linde", der aber die Anerkennung versagt blieb. Da war Robert Stolz, der Meister der leichten Muse und des sog. Wienerliedes, wesentlich erfolgreicher. "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde..." gehört bis heute zum Standardrepertoire volkstümlicher Weisen, von mehr als zwei dutzend Kammersängern auf Tonträgern verewigt.
Studentenlieder sind heute nicht mehr "in", es sei denn in den Burschenschaften. Auf diesem historischen Foto von 1911 sind Marburger Burschenschafter zu sehen, die ihr bestandenes Physikum feiern. Wie man sieht, wird gebechert - und man darf es als Gewissheit betrachten, dass gesungen wurde - natürlich auch das Lied von der Lindenwirtin. Es wird bis heute bei studentischen Zusammenkünften, dem sog. Kommers, "Die Lindenwirtin" angestimmt. Und mit diesem Lied, das jeder studentische Chor in seiner Notenmappe hat und das im Laufe seiner Geschichte in Millionen Schall-platten mit Stimmungsliedern gepresst wurde, hat es eine besondere Bewandnis. Rudolf Baumbach heißt der Dichter, der ursprünglich sechs Strophen schrieb und Franz Wilhelm Abt, dem wir weitere Vokslieder zu verdanken haben, hat diese ebenso heiteren wie rührseligen Strophen vertont. Wen Rudolf Baumbach mit seiner Lindenwirtin gemeint hat, ist nicht bekannt. Bald aber wurde dieses Lied von einer Heerschar von Studenten und Burschenschaftern einer gewissen Anna Schumacher - genannt Ännchen - zugeeignet. Wie das? Nun, wenn Sie mehr erfahren wollen, dann klicken Sie hier. |